Getrennt oder zusammen? Die Leitfragen
Kurz geantwortet
Zusammengeschrieben wird, was eine neue Gesamtbedeutung trägt: freisprechen, teilnehmen, zusammenkommen. Getrennt bleibt, was seine wörtliche Bedeutung behält: frei sprechen, Rad fahren, sehr fest halten. Zwei Proben helfen: Liegt der Ton vorn und lässt sich nichts einschieben oder steigern, schreibt man zusammen. Und in etlichen Fällen — kennenlernen oder kennen lernen — erlaubt das Regelwerk schlicht beides.
Die Regel
Kein Bereich der Rechtschreibung wurde so oft umgebaut wie dieser — 1996 reformiert, 2006 in Teilen zurückgenommen. Das Ergebnis: einige klare Regeln, einige Fälle, in denen beides erlaubt ist. Wer das weiß, kann gelassen mit drei Leitfragen arbeiten.
Leitfrage 1: Entsteht eine neue Gesamtbedeutung? Dann zusammen. Freisprechen (vor Gericht) ist etwas anderes als frei sprechen (ohne Manuskript), festhalten an einem Plan etwas anderes als etwas fest halten. Ausführlich auf der Seite festhalten oder fest halten.
Leitfrage 2: Lässt sich der erste Teil steigern oder erweitern? Dann getrennt: sehr fest halten, ganz frei sprechen. Was sich nicht erweitern lässt, ist meist zur festen Verbindung geworden — und trägt den Ton vorn: ZU-sammenkommen, TEIL-nehmen.
Leitfrage 3: Was ist der erste Teil für eine Wortart?
- Nomen + Verb: getrennt, solange das Nomen lebendig ist (Rad fahren, Klavier spielen) — zusammen, wenn es verblasst ist (teilnehmen, stattfinden). Mehr dazu auf kennenlernen oder kennen lernen.
- Verb + Verb: getrennt ist der Normalfall (schwimmen gehen); bei kennenlernen / kennen lernen und wenigen anderen sind beide Schreibungen amtlich zulässig.
- Partikel + Verb: bei echten Vorsilben immer zusammen (ankommen, mitbringen); bei Adverbien wie zusammen oder wieder entscheidet die Bedeutung — mehr auf Partikelverben. Beim zu-Infinitiv wandert das zu hinein: mitzubringen.
Dazu gehören noch die zusammengesetzten Nomen (Haustür, Arbeitsplatz) mit ihrem Fugen-s, der Bindestrich, der mehrteilige Begriffe koppelt (E-Mail, 3-Zimmer-Wohnung), und Einzelfälle wie zurzeit oder zur Zeit, bei denen die Schreibung die Bedeutung wechselt.
Und wo beides erlaubt ist? Entscheide dich für eine Variante — am besten die Duden-Empfehlung — und bleib im Text dabei. Uneinheitlichkeit liest sich wie Unsicherheit.
Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, Bereich B/C — Getrennt-, Zusammen- und Bindestrichschreibung. Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung
Beispiele: richtig und falsch
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Die Haustür steht offen. | Zusammensetzungen aus Nomen werden zusammengeschrieben — das Leerzeichen im Kompositum ist immer falsch. | |
| Das Schulfest wird im Juni stattfinden. | Das Nomen Statt ist verblasst — feste Verbindung, zusammen. | |
| Wir wollen am Montag zusammenkommen, um zu planen. | Gemeint ist das Treffen — Partikelverb mit Ton auf zu-, also zusammen. | |
| Vergiss nicht, Getränke mitzubringen. | Beim zu-Infinitiv wandert das zu in das Partikelverb hinein. | |
| Im Arbeitszimmer steht der neue Schreibtisch. | Viele Zusammensetzungen brauchen ein Fugen-s: Arbeitszimmer, Liebesbrief, Geburtstag. |
Typische Fehler
- Das auseinandergerissene Kompositum: „Haus Tür", „Schul Hof", „Fußball Verein". Im Deutschen wird zusammengeschrieben, was einen Begriff bildet — das Leerzeichen stammt aus dem Englischen (front door) und aus Werbetexten. Es ist in jedem Fall falsch.
- Das Fugen-s fehlt oder steht zu viel: „Arbeitzimmer" statt Arbeitszimmer, „Hühnersei" statt Hühnerei. Eine wasserdichte Regel gibt es nicht, aber eine starke Faustregel: Nach Erstgliedern auf -ung, -heit, -keit, -schaft und -tät steht fast immer ein s — Zeitungsartikel, Freiheitsstatue, Mannschaftsbus.
- Partikelverben werden getrennt geschrieben: „zusammen kommen", „mit bringen", „an rufen". Die Betonung verrät die feste Verbindung — der Ton liegt vorn (ZU-sammenkommen, AN-rufen), also zusammen.
- Beim zu-Infinitiv wird das Partikelverb zerrissen: „mit zu bringen", „statt zu finden". Das zu wandert in die Mitte des zusammengeschriebenen Verbs: mitzubringen, stattzufinden, teilzunehmen.
- „kennen zulernen" — das zu klebt am falschen Wort. Zulässig sind beide sauberen Varianten: kennenzulernen (zusammen) und kennen zu lernen (getrennt). Nur die halbe Verklebung dazwischen ist falsch.
- Aus Angst vor Fehlern wird alles zusammengeschrieben — „radfahren", „spazierengehen". Nomen + Verb mit lebendigem Nomen bleibt aber getrennt: Rad fahren, und Verb + Verb ist getrennt der Normalfall: spazieren gehen.
Neue Bedeutung und Ton vorn — zusammen. Wörtlich, steigerbar, erweiterbar — getrennt. Ein Begriff aus vielen Teilen — Bindestrich. Und wo beides erlaubt ist: einmal entscheiden, dabei bleiben.
Selbsttest: 5 Sätze
Entscheide selbst, dann klapp die Lösung auf. Wenn du hier ins Stocken kommst, weißt du, woran du arbeiten solltest.
-
Die ___ war über Nacht nicht abgeschlossen. (Eingang des Hauses)
Lösung
Haustür — Kompositum — zusammen, ohne Leerzeichen. -
Die Abschlussfeier wird in der Aula ___.
Lösung
stattfinden — Das Nomen Statt ist verblasst — feste Verbindung, zusammen. -
Denk daran, den Ausweis ___!
Lösung
mitzubringen — Das zu wandert in das Partikelverb hinein: mit-zu-bringen. -
Der Verein will nächste Woche ___, um den Ausflug zu planen.
Lösung
zusammenkommen — Gemeint ist das Treffen — Ton auf zu-, also zusammen. -
Bei dem schönen Wetter will sie endlich wieder Rad ___.
Lösung
fahren — Rad fahren bleibt getrennt — das Nomen ist lebendig: das neue Rad fahren.
Ab welcher Klasse?
Die Getrennt- und Zusammenschreibung beginnt in Klasse 6 mit den Komposita und zieht sich bis zum Abitur — je länger die eigenen Texte werden, desto häufiger tauchen stattfinden, teilnehmen und die zu-Infinitive auf. Viele Eltern haben zudem andere Schreibungen gelernt als ihre Kinder: Zwischen 1996 und 2006 galten hier zeitweise andere Regeln als davor und danach.
Häufige Fragen
Wann schreibt man zwei Wörter zusammen, wann getrennt?
Ist kennenlernen oder kennen lernen richtig?
Warum ist Haus Tür falsch, obwohl man beide Wörter kennt?
Warum wirkt dieser Bereich so chaotisch?
Mein Kind verliert hier Punkte, obwohl angeblich beides stimmt — was tun?
Du kennst die Regel — und machst den Fehler trotzdem?
Kein Bereich wurde so oft reformiert wie dieser. Was hier trägt, ist weniger Regelwissen als ein sicheres Gefühl für die eigenen Zweifelsfälle — und das entsteht nur durch Wiederholung an genau diesen Stellen.
Das ist kein Wissensproblem, sondern ein Automatisierungsproblem — und genau da setzt Schreibfit an: Du fotografierst deine korrigierte Klassenarbeit, die App liest die angestrichenen Stellen und übt mit dir genau deine echten Fehler, bis sie sitzen. Nicht irgendwelche.
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