Getrennt- und Zusammenschreibung

kennenlernen oder kennen lernen? Beides ist richtig

Kurz geantwortet

Beides ist richtig: kennenlernen und kennen lernen sind seit 2006 amtlich gleichwertig — der Duden empfiehlt die Zusammenschreibung. Falsch wird es erst bei Nomen und Verb: Rad fahren schreibt man getrennt, solange das Nomen erkennbar bleibt. Ist es verblasst, wird zusammengeschrieben: teilnehmen, stattfinden. Die Probe: Passt ein Artikel oder Attribut vor das Nomen, bleibt es getrennt.

Die Regel

Die kurze Antwort vorweg: Du kannst hier keinen Fehler machen. Kennenlernen und kennen lernen sind seit der Regelrevision von 2006 beide amtlich zulässig; der Duden empfiehlt die Zusammenschreibung kennenlernen. Wichtig ist nur eines: im selben Text bei einer Variante bleiben.

Verb + Verb: getrennt ist der Normalfall. Schwimmen gehen, arbeiten kommen, spazieren gehen — zwei Verben werden getrennt geschrieben. Nur eine kleine Gruppe mit eigener Gesamtbedeutung darf auch zusammen: kennenlernen, sitzenbleiben (in der Schule) und liegenlassen (im Sinn von vergessen). Bei denen gilt: beides erlaubt, zusammen betont die übertragene Bedeutung.

Nomen + Verb: hier gibt es echte Fehler.

  • Getrennt, solange das Nomen lebendig ist: Rad fahren, Ski fahren, Klavier spielen, Fußball spielen. Die Probe: Passt ein Artikel oder Attribut davor? „Das neue Rad fahren" geht — also getrennt, und das Nomen bleibt groß.
  • Zusammen, wenn das Nomen verblasst ist: teilnehmen, stattfinden, preisgeben. „Das Teil nehmen" ergibt keinen Sinn mehr — die Verbindung ist ein neues Verb geworden.

Beim zu-Infinitiv gilt dieselbe Freiheit wie beim Grundwort: kennenzulernen oder kennen zu lernen — beides korrekt. Falsch ist nur die halbe Verklebung „kennen zulernen".

Woher die Verwirrung kommt: Vor 1996 galt nur kennenlernen. Die Reform erzwang dann kennen lernen — und 2006 wurde die Zusammenschreibung wieder zugelassen. Drei Generationen haben hier drei verschiedene Regeln gelernt; das erklärt die Diskussionen am Küchentisch.

Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, Bereich B/C — Getrennt-, Zusammen- und Bindestrichschreibung. Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung

Beispiele: richtig und falsch

FalschRichtigWarum
Er will jeden Tag radfahren. Er will jeden Tag Rad fahren. Das Nomen Rad ist lebendig (das neue Rad fahren) — getrennt und groß. Bis 1996 war radfahren korrekt, daher hält es sich.
Alle Klassen dürfen am Sportfest Teil nehmen. Alle Klassen dürfen am Sportfest teilnehmen. Das Nomen ist verblasst — kein Artikel mehr möglich, also zusammen und klein.
Der Zeuge wollte das Versteck nicht Preis geben. Der Zeuge wollte das Versteck nicht preisgeben. Verblasstes Nomen — preisgeben ist ein eigenes Verb geworden.
Ich freue mich, dich bald kennen zulernen. Ich freue mich, dich bald kennenzulernen. Auch korrekt: kennen zu lernen. Nur die halbe Verklebung ist falsch.
Sie kann schon richtig gut Klavierspielen. Sie kann schon richtig gut Klavier spielen. Lebendiges Nomen — getrennt, und das Klavier bleibt großgeschrieben.

Typische Fehler

  • „kennen lernen" wird für falsch gehalten — ist es nicht. Seit 2006 sind beide Schreibungen amtlich zulässig; der Duden empfiehlt kennenlernen. Der echte Fehler ist das Mischen beider Varianten im selben Text oder die halbe Verklebung „kennen zulernen".
  • „radfahren" oder „Radfahren" als Verb — bis 1996 korrekt, heute getrennt: Rad fahren, ich fahre Rad. Das Rad bleibt groß, weil es ein echtes Nomen ist. Als Nomen existiert „das Radfahren" natürlich weiter: Das Radfahren macht ihr Spaß.
  • Der Umkehrfehler bei verblassten Nomen: „Teil nehmen", „Statt finden", „Preis geben". Hier ist das Nomen keines mehr — die Artikel-Probe scheitert, also zusammen und klein: teilnehmen, stattfinden, preisgeben.
  • Aus der Beides-ist-erlaubt-Freigabe wird ein Freibrief für alle Fälle: „spazierengehen", „einkaufen gehen" zusammengezogen. Die Freigabe gilt nur für wenige Verb-Verb-Paare wie kennenlernen — spazieren gehen bleibt getrennt.
  • In Prüfungen und Bewerbungen wird zwischen den Varianten gewechselt. Wer unsicher ist, fährt mit der Duden-Empfehlung am besten: kennenlernen, kennenzulernen — einmal gewählt, konsequent durchgehalten.
Merksatz

kennenlernen oder kennen lernen — beides stimmt, bleib nur konsequent. Rad fahren bleibt getrennt, solange du das Rad sehen kannst; teilnehmen wird eins, weil das Teil keines mehr ist.

Selbsttest: 5 Sätze

Entscheide selbst, dann klapp die Lösung auf. Wenn du hier ins Stocken kommst, weißt du, woran du arbeiten solltest.

  1. Ich freue mich darauf, deine Familie ___. (empfohlene Schreibung)

    Lösung
    kennenzulernen — Die Duden-Empfehlung. Kennen zu lernen wäre ebenfalls korrekt — nur kennen zulernen nicht.
  2. Bei dem Wetter will er unbedingt ___ ___. (mit dem Fahrrad unterwegs sein)

    Lösung
    Rad fahren — Lebendiges Nomen — getrennt und groß: das neue Rad fahren.
  3. Unsere Klasse darf am Wettbewerb ___.

    Lösung
    teilnehmen — Verblasstes Nomen — kein Artikel möglich, also zusammen.
  4. Der Zauberer wollte seinen Trick nicht ___.

    Lösung
    preisgeben — Verblasstes Nomen — preisgeben ist ein eigenes Verb.
  5. Nach dem Essen wollen wir noch ein wenig ___ gehen.

    Lösung
    spazieren — Verb + Verb bleibt hier getrennt — die Beides-erlaubt-Freigabe gilt nur für Fälle wie kennenlernen.

Ab welcher Klasse?

Klasse 7–10

Der Fall begegnet Schülern ab Klasse 7 ständig — in Erörterungen, Briefen und spätestens in der Bewerbung („Ich freue mich, Sie kennenzulernen"). Die Extraportion Verwirrung kommt aus der Familie: Eltern, die zwischen 1996 und 2006 zur Schule gingen, haben zwingend kennen lernen gelernt, ältere Generationen zwingend kennenlernen. Beide korrigieren ihre Kinder — zu Unrecht.

Häufige Fragen

Ist kennen lernen falsch?
Nein. Seit der Regelrevision von 2006 sind kennenlernen und kennen lernen beide amtlich korrekt. Der Duden empfiehlt die Zusammenschreibung — wer ihr folgt, ist in Schule und Beruf auf der sicheren Seite. Nur mischen sollte man die Varianten im selben Text nicht.
Heißt es kennenzulernen oder kennen zu lernen?
Beides ist korrekt und folgt der jeweils gewählten Grundform: kennenlernen wird zu kennenzulernen, kennen lernen zu kennen zu lernen. Falsch ist nur die Mischform „kennen zulernen", bei der das zu am falschen Wort klebt.
Warum schreibt man Rad fahren getrennt, aber teilnehmen zusammen?
Entscheidend ist, ob das Nomen noch lebt. Beim Rad fahren kann man „das neue Rad" fahren — Artikel und Attribut passen, also getrennt und groß. Bei teilnehmen, stattfinden und preisgeben ist das Nomen verblasst; die Verbindung ist ein eigenes Verb geworden und wird zusammen- und kleingeschrieben.
Wie war die Schreibung vor der Reform?
Vor 1996 galt nur kennenlernen und auch radfahren. Die Reform von 1996 erzwang die Getrenntschreibung kennen lernen und machte aus radfahren Rad fahren. 2006 wurde bei Verb-plus-Verb die Zusammenschreibung wieder zugelassen — Rad fahren blieb getrennt. Deshalb haben verschiedene Generationen hier Verschiedenes gelernt.
Mein Kind wird bei solchen Wörtern ständig korrigiert — von allen Seiten anders. Was gilt?
Verlässlich ist das amtliche Regelwerk plus Duden-Empfehlung: kennenlernen (empfohlen, kennen lernen ebenfalls zulässig), Rad fahren (nur getrennt), teilnehmen (nur zusammen). Wirksam wird das Wissen erst durch Wiederholung an den eigenen Fehlstellen — Schreibfit zieht genau diese aus der korrigierten Klassenarbeit und übt sie, bis sie sitzen.

Du kennst die Regel — und machst den Fehler trotzdem?

Zwischen erlaubt, empfohlen und falsch verläuft hier ein schmaler Grat — und in der Klausur zählt am Ende nur, dass du die echten Fehler wie Teil nehmen und kennen zulernen sicher vermeidest.

Das ist kein Wissensproblem, sondern ein Automatisierungsproblem — und genau da setzt Schreibfit an: Du fotografierst deine korrigierte Klassenarbeit, die App liest die angestrichenen Stellen und übt mit dir genau deine echten Fehler, bis sie sitzen. Nicht irgendwelche.

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