zu + Infinitiv: kennenzulernen oder kennen zu lernen?
Kurz geantwortet
Ob das zu in den Infinitiv hineinrückt, hängt allein davon ab, wie das Grundverb geschrieben wird. Ist es ein Wort, steht das zu mittendrin: kennenlernen wird zu kennenzulernen, einkaufen zu einzukaufen. Wird das Grundverb getrennt geschrieben, bleibt auch das zu getrennt davor stehen: Rad zu fahren, spazieren zu gehen. Bei einem einfachen Verb steht das zu immer allein: zu lesen, zu gehen.
Die Regel
Der Infinitiv mit zu macht vielen Kummer — dabei folgt er einer einzigen Frage: Wie wird das Grundverb geschrieben? Die Antwort entscheidet, wo das zu steht.
- Grundverb in einem Wort → zu rückt hinein. Aus kennenlernen wird kennenzulernen, aus einkaufen einzukaufen, aus teilnehmen teilzunehmen, aus aufstehen aufzustehen. Das zu schiebt sich zwischen die Vorsilbe und den Verbkern.
- Grundverb getrennt → zu bleibt getrennt. Aus Rad fahren wird Rad zu fahren, aus spazieren gehen spazieren zu gehen, aus Klavier spielen Klavier zu spielen. Das zu steht vor dem zweiten Verb.
- Einfaches Verb → zu steht allein. zu lesen, zu essen, zu kommen — hier gibt es nichts zu verschieben.
Der ganze Trick steckt also im Grundverb. Wer weiß, ob es zusammen- oder getrenntgeschrieben wird, weiß auch, wo das zu hingehört. Deshalb lohnt der Blick auf die Getrennt- und Zusammenschreibung: Sie liefert die Grundlage für diese Regel.
Ein wichtiger Sonderfall: Wörter wie kennenlernen darf man zusammen oder getrennt schreiben — beides ist korrekt. Entsprechend sind auch beide zu-Formen richtig: kennenzulernen (zu kennenlernen) und kennen zu lernen (zu kennen lernen). Das ist kein Widerspruch, sondern die logische Folge der Wahlfreiheit.
Nebenbei die Kommafrage: Ob vor der zu-Gruppe ein Komma steht, ist eine andere Sache und meist freigestellt — das klärt die Seite Komma bei Infinitivgruppen. Hier geht es allein um zusammen oder getrennt.
Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, Bereich B/C — Getrennt-, Zusammen- und Bindestrichschreibung. Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung
Beispiele: richtig und falsch
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Ich freue mich, dich kennenzulernen. | Zu kennenlernen gehört kennenzulernen. Die getrennte Form kennen zu lernen ist ebenfalls erlaubt. | |
| Er hat vergessen, frische Milch einzukaufen. | einkaufen ist ein Wort, also rückt das zu hinein — einzukaufen. | |
| Es ist verboten, hier Rad zu fahren. | Rad fahren wird getrennt geschrieben, also bleibt auch das zu getrennt. | |
| Sie versucht, pünktlich aufzustehen. | aufstehen ist ein Wort — das zu schiebt sich hinein zu aufzustehen. | |
| Wir haben keine Zeit, das Buch zu lesen. | lesen ist ein einfaches Verb — das zu steht allein davor. |
Typische Fehler
- Bei zusammengeschriebenen Verben wird das zu davorgestellt statt hineingerückt: „zu kennenlernen" statt kennenzulernen, „zu einkaufen" statt einzukaufen. Ist das Grundverb ein Wort, schiebt sich das zu zwischen Vorsilbe und Verbkern.
- Umgekehrt wird das zu bei einfachen Verben angeklebt: „zubringen", „zulesen", „zugehen" für den schlichten Infinitiv. Bei einem einfachen Verb steht das zu immer getrennt davor — zu bringen, zu lesen, zu gehen.
- Bei getrennt geschriebenen Verbindungen rutscht das zu fälschlich hinein: „Rad zufahren", „spazieren zugehen". Wird das Grundverb getrennt geschrieben (Rad fahren, spazieren gehen), bleibt auch das zu getrennt.
- Die Wahlfreiheit bei kennenlernen wird als Fehler gewertet. kennenzulernen und kennen zu lernen sind beide richtig, weil auch kennenlernen und kennen lernen beide erlaubt sind — man darf sich für eine Form entscheiden.
Schau aufs Grundverb. Ist es ein Wort, rückt das zu hinein — kennenzulernen, einzukaufen. Ist es getrennt, bleibt das zu getrennt — Rad zu fahren. Ein einfaches Verb bekommt sein zu einfach davor.
Selbsttest: 5 Sätze
Entscheide selbst, dann klapp die Lösung auf. Wenn du hier ins Stocken kommst, weißt du, woran du arbeiten solltest.
-
Ich freue mich, dich ___. (zu + kennenlernen)
Lösung
kennenzulernen — Zu kennenlernen gehört kennenzulernen — das zu rückt hinein. Kennen zu lernen wäre ebenfalls korrekt. -
Er vergaß, Milch ___. (zu + einkaufen)
Lösung
einzukaufen — einkaufen ist ein Wort, also schiebt sich das zu hinein. -
Es ist verboten, hier Rad ___. (zu + fahren)
Lösung
zu fahren — Rad fahren wird getrennt geschrieben, deshalb bleibt auch das zu getrennt. -
Sie versucht, früh ___. (zu + aufstehen)
Lösung
aufzustehen — aufstehen ist ein Wort — das zu rückt hinein zu aufzustehen. -
Wir haben keine Zeit, das Buch ___. (zu + lesen)
Lösung
zu lesen — lesen ist ein einfaches Verb, das zu steht allein davor.
Ab welcher Klasse?
Der zu-Infinitiv wird ab Klasse 8 zum Thema, wenn Satzbau und Infinitivgruppen systematisch geübt werden. Schwierig ist er nicht wegen einer eigenen Regel, sondern weil er auf der Getrennt- und Zusammenschreibung aufbaut — wer dort sicher ist, macht auch beim zu selten Fehler.
Häufige Fragen
Wann rückt das zu in den Infinitiv hinein?
Heißt es kennenzulernen oder kennen zu lernen?
Warum heißt es Rad zu fahren und nicht Rad zufahren?
Mein Kind setzt das zu ständig an die falsche Stelle — was hilft?
Du kennst die Regel — und machst den Fehler trotzdem?
Die Regel ist eigentlich nur ein Blick aufs Grundverb — und trotzdem steht in der Arbeit wieder „Rad zufahren" oder „zu kennenlernen", weil im Schreibfluss niemand kurz prüft, ob das Grundwort ein Wort ist oder zwei.
Das ist kein Wissensproblem, sondern ein Automatisierungsproblem — und genau da setzt Schreibfit an: Du fotografierst deine korrigierte Klassenarbeit, die App liest die angestrichenen Stellen und übt mit dir genau deine echten Fehler, bis sie sitzen. Nicht irgendwelche.
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