Groß- und Kleinschreibung

Groß- und Kleinschreibung: die Regeln im Überblick

Kurz geantwortet

Großgeschrieben werden im Deutschen der erste Buchstabe eines Satzes, alle Nomen und alles, was wie ein Nomen gebraucht wird (das Lesen, das Gute), Eigennamen und die Höflichkeitsanrede Sie. Alles andere — Verben, Adjektive, Artikel, Pronomen — bleibt klein, solange es nicht am Satzanfang steht. Wer Nomen sicher erkennt, hat die Regel im Griff.

Die Regel

Die deutsche Groß- und Kleinschreibung wirkt wie eine lange Liste von Sonderfällen, folgt aber einem klaren Kern: Großgeschrieben wird, was ein Nomen ist oder wie ein Nomen gebraucht wird — dazu der Satzanfang, die Eigennamen und die Höflichkeitsanrede. Der Rest bleibt klein.

Fünf Fälle decken fast alles ab. Zu den kniffligen gibt es hier je eine eigene, ausführliche Seite:

Der amtliche Rahmen dahinter ist Bereich D des Regelwerks — die Groß- und Kleinschreibung. Für die Schule zählt aber nicht die Paragrafennummer, sondern die eine Frage: Ist das ein Nomen oder wird es hier wie eines gebraucht?

Das größte Missverständnis vorweg: Man schreibt nicht das groß, was wichtig ist. „Wichtige Wörter großschreiben" ist der verlässlichste Weg zum Fehler — er stammt aus dem Englischen, wo Überschriften so aussehen. Im Deutschen entscheidet die Wortart, nicht die Bedeutung.

Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, Bereich D — Groß- und Kleinschreibung. Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung

Beispiele: richtig und falsch

FalschRichtigWarum
die schöne blume die schöne Blume „Blume" ist ein Nomen (groß), „schöne" ein Adjektiv davor (klein).
Er kann gut Schwimmen. Er kann gut schwimmen. „schwimmen" ist hier ein Verb ohne Signalwort — klein.
beim laufen wurde ihm warm beim Laufen wurde ihm warm „beim" (bei dem) macht aus dem Verb ein Nomen — groß.
Können sie mir bitte helfen? Können Sie mir bitte helfen? Die Höflichkeitsanrede ist immer groß.
Wir treffen uns heute morgen. Wir treffen uns heute Morgen. „Morgen" ist hier die Tageszeit, also ein Nomen — groß.

Typische Fehler

  • Abstrakte Nomen werden übersehen, weil man sie nicht anfassen kann: „die angst", „das glück", „die freiheit". Grammatisch sind sie aber genauso Nomen wie „der Tisch" und werden großgeschrieben.
  • Das englische Muster „wichtige Wörter groß": In Überschriften und Titeln wird plötzlich jedes Substantiv-ähnliche Wort großgeschrieben. Im Deutschen entscheidet die Wortart, nicht die Wichtigkeit.
  • Überkorrektur nach der frisch gelernten Regel: Wer weiß, dass Nomen groß sind, schreibt auf einmal auch Verben und Adjektive groß — „Ich kann gut Schwimmen". Ohne Signalwort bleiben sie klein.
  • Die verschmolzene Präposition wird nicht als Signal erkannt: „beim laufen", „zum essen", „im allgemeinen". In „beim", „zum", „im" steckt der Artikel — das Wort dahinter ist substantiviert und wird groß.
Merksatz

Groß ist, was ein Ding ist — ein Nomen. Nicht, was wichtig ist. Frag nicht „Ist das Wort wichtig?", sondern „Kann ich einen Artikel davorsetzen?". Passt der Artikel, ist es ein Nomen und wird groß.

Selbsttest: 5 Sätze

Entscheide selbst, dann klapp die Lösung auf. Wenn du hier ins Stocken kommst, weißt du, woran du arbeiten solltest.

  1. Ich habe große ___ vor der Prüfung.

    Lösung
    Angst — „Angst" ist ein Nomen (auch wenn man es nicht anfassen kann) — groß.
  2. Wir wollen heute ___ gehen.

    Lösung
    schwimmen — Kein Signalwort davor — es bleibt ein Verb und wird kleingeschrieben.
  3. Ist das ___ Jacke, Frau Weber?

    Lösung
    Ihre — Höflichkeitsanrede — auch das besitzanzeigende Ihre wird groß.
  4. Beim ___ hat er sich verletzt.

    Lösung
    Klettern — „Beim" enthält den Artikel — das Verb ist substantiviert, also groß.
  5. Sie hat gestern ___ angerufen.

    Lösung
    Abend — „Abend" ist die Tageszeit, ein Nomen — groß. „gestern" bleibt klein.

Ab welcher Klasse?

Klasse 5–13

Die Groß- und Kleinschreibung führt die Schule ab Klasse 5 systematisch ein und vertieft sie bis zum Abitur: zuerst Satzanfang und Nomen, dann die Substantivierungen und die feineren Fälle wie Tageszeiten und die Anredepronomen. Weil in fast jedem Satz ein großzuschreibendes Wort steckt, ist sie der Bereich mit den meisten Gelegenheiten für Fehler pro Klausur.

Häufige Fragen

Was wird im Deutschen großgeschrieben?
Der Satzanfang, alle Nomen (auch Gefühle und Gedanken wie Angst oder Glück), Eigennamen, die Höflichkeitsanrede Sie und alles, was wie ein Nomen gebraucht wird — das Lesen, das Gute. Alles andere bleibt klein, solange es nicht am Satzanfang steht.
Woran erkenne ich, ob ein Wort großgeschrieben wird?
Frag dich, ob es ein Nomen ist oder gerade wie eines gebraucht wird. Die Probe: Passt ein Artikel davor — der, die, das? Dann ist es ein Nomen und wird großgeschrieben. Nicht die Wichtigkeit entscheidet, sondern die Wortart.
Schreibt man wichtige Wörter groß?
Nein, das ist der häufigste Irrtum. Er kommt aus dem Englischen, wo Überschriften so aussehen. Im Deutschen wird großgeschrieben, was ein Nomen ist oder wie eines gebraucht wird — nicht, was inhaltlich wichtig ist.
Mein Kind verliert ständig Punkte durch Groß- und Kleinschreibung — was hilft?
Diese Fehler sind selten Wissenslücken, sondern Flüchtigkeit im Schreibfluss: Die Regel ist bekannt, das Signalwort verschwindet beim schnellen Schreiben aus dem Blick. Was hilft, ist Wiederholung an genau den Stellen aus der eigenen Klassenarbeit, die angestrichen wurden. Genau dafür ist Schreibfit gebaut.

Du kennst die Regel — und machst den Fehler trotzdem?

Die Regeln kennst du — und trotzdem steht in jeder Klausur wieder ein Nomen klein oder ein Verb groß, weil beim Schreiben niemand an Wortarten denkt, sondern an den Inhalt.

Das ist kein Wissensproblem, sondern ein Automatisierungsproblem — und genau da setzt Schreibfit an: Du fotografierst deine korrigierte Klassenarbeit, die App liest die angestrichenen Stellen und übt mit dir genau deine echten Fehler, bis sie sitzen. Nicht irgendwelche.

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