Groß- und Kleinschreibung: die Regeln im Überblick
Kurz geantwortet
Großgeschrieben werden im Deutschen der erste Buchstabe eines Satzes, alle Nomen und alles, was wie ein Nomen gebraucht wird (das Lesen, das Gute), Eigennamen und die Höflichkeitsanrede Sie. Alles andere — Verben, Adjektive, Artikel, Pronomen — bleibt klein, solange es nicht am Satzanfang steht. Wer Nomen sicher erkennt, hat die Regel im Griff.
Die Regel
Die deutsche Groß- und Kleinschreibung wirkt wie eine lange Liste von Sonderfällen, folgt aber einem klaren Kern: Großgeschrieben wird, was ein Nomen ist oder wie ein Nomen gebraucht wird — dazu der Satzanfang, die Eigennamen und die Höflichkeitsanrede. Der Rest bleibt klein.
Fünf Fälle decken fast alles ab. Zu den kniffligen gibt es hier je eine eigene, ausführliche Seite:
- Satzanfang — das erste Wort eines Satzes wird immer großgeschrieben, egal welche Wortart es ist: Heute regnet es. Auch der Doppelpunkt-Fall steht dort.
- Nomen und Substantive — alle Nomen sind groß, auch die, die man nicht anfassen kann (die Angst, das Glück). Das ist die Kernregel, amtlich in § 55 des Regelwerks.
- Eigennamen — Namen von Menschen, Orten und Marken sind groß: Anna, Berlin, die Alpen. Ein Adjektiv im festen Namen wird mitgroßgeschrieben (das Rote Kreuz), sonst nicht.
- Anredepronomen — die Höflichkeitsanrede Sie ist immer groß, das vertraute du bleibt klein.
- Substantivierungen — Verben und Adjektive, die die Rolle eines Nomens übernehmen, werden groß: das Lesen, beim Schwimmen, das Beste, alles Gute und etwas Schönes nach Signalwörtern. Dazu gehören auch feste Wendungen wie im Großen und Ganzen. Eng verwandt sind die Tageszeiten (heute Morgen, gestern Abend).
Der amtliche Rahmen dahinter ist Bereich D des Regelwerks — die Groß- und Kleinschreibung. Für die Schule zählt aber nicht die Paragrafennummer, sondern die eine Frage: Ist das ein Nomen oder wird es hier wie eines gebraucht?
Das größte Missverständnis vorweg: Man schreibt nicht das groß, was wichtig ist. „Wichtige Wörter großschreiben" ist der verlässlichste Weg zum Fehler — er stammt aus dem Englischen, wo Überschriften so aussehen. Im Deutschen entscheidet die Wortart, nicht die Bedeutung.
Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, Bereich D — Groß- und Kleinschreibung. Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung
Beispiele: richtig und falsch
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| die schöne Blume | „Blume" ist ein Nomen (groß), „schöne" ein Adjektiv davor (klein). | |
| Er kann gut schwimmen. | „schwimmen" ist hier ein Verb ohne Signalwort — klein. | |
| beim Laufen wurde ihm warm | „beim" (bei dem) macht aus dem Verb ein Nomen — groß. | |
| Können Sie mir bitte helfen? | Die Höflichkeitsanrede ist immer groß. | |
| Wir treffen uns heute Morgen. | „Morgen" ist hier die Tageszeit, also ein Nomen — groß. |
Typische Fehler
- Abstrakte Nomen werden übersehen, weil man sie nicht anfassen kann: „die angst", „das glück", „die freiheit". Grammatisch sind sie aber genauso Nomen wie „der Tisch" und werden großgeschrieben.
- Das englische Muster „wichtige Wörter groß": In Überschriften und Titeln wird plötzlich jedes Substantiv-ähnliche Wort großgeschrieben. Im Deutschen entscheidet die Wortart, nicht die Wichtigkeit.
- Überkorrektur nach der frisch gelernten Regel: Wer weiß, dass Nomen groß sind, schreibt auf einmal auch Verben und Adjektive groß — „Ich kann gut Schwimmen". Ohne Signalwort bleiben sie klein.
- Die verschmolzene Präposition wird nicht als Signal erkannt: „beim laufen", „zum essen", „im allgemeinen". In „beim", „zum", „im" steckt der Artikel — das Wort dahinter ist substantiviert und wird groß.
Groß ist, was ein Ding ist — ein Nomen. Nicht, was wichtig ist. Frag nicht „Ist das Wort wichtig?", sondern „Kann ich einen Artikel davorsetzen?". Passt der Artikel, ist es ein Nomen und wird groß.
Selbsttest: 5 Sätze
Entscheide selbst, dann klapp die Lösung auf. Wenn du hier ins Stocken kommst, weißt du, woran du arbeiten solltest.
-
Ich habe große ___ vor der Prüfung.
Lösung
Angst — „Angst" ist ein Nomen (auch wenn man es nicht anfassen kann) — groß. -
Wir wollen heute ___ gehen.
Lösung
schwimmen — Kein Signalwort davor — es bleibt ein Verb und wird kleingeschrieben. -
Ist das ___ Jacke, Frau Weber?
Lösung
Ihre — Höflichkeitsanrede — auch das besitzanzeigende Ihre wird groß. -
Beim ___ hat er sich verletzt.
Lösung
Klettern — „Beim" enthält den Artikel — das Verb ist substantiviert, also groß. -
Sie hat gestern ___ angerufen.
Lösung
Abend — „Abend" ist die Tageszeit, ein Nomen — groß. „gestern" bleibt klein.
Ab welcher Klasse?
Die Groß- und Kleinschreibung führt die Schule ab Klasse 5 systematisch ein und vertieft sie bis zum Abitur: zuerst Satzanfang und Nomen, dann die Substantivierungen und die feineren Fälle wie Tageszeiten und die Anredepronomen. Weil in fast jedem Satz ein großzuschreibendes Wort steckt, ist sie der Bereich mit den meisten Gelegenheiten für Fehler pro Klausur.
Häufige Fragen
Was wird im Deutschen großgeschrieben?
Woran erkenne ich, ob ein Wort großgeschrieben wird?
Schreibt man wichtige Wörter groß?
Mein Kind verliert ständig Punkte durch Groß- und Kleinschreibung — was hilft?
Du kennst die Regel — und machst den Fehler trotzdem?
Die Regeln kennst du — und trotzdem steht in jeder Klausur wieder ein Nomen klein oder ein Verb groß, weil beim Schreiben niemand an Wortarten denkt, sondern an den Inhalt.
Das ist kein Wissensproblem, sondern ein Automatisierungsproblem — und genau da setzt Schreibfit an: Du fotografierst deine korrigierte Klassenarbeit, die App liest die angestrichenen Stellen und übt mit dir genau deine echten Fehler, bis sie sitzen. Nicht irgendwelche.
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