Substantivierungen

das Lesen oder das lesen? So erkennst du Substantivierungen

Kurz geantwortet

Sobald ein Verb wie ein Nomen benutzt wird, schreibt man es groß. Erkennen kannst du das an einem Signalwort davor: ein Artikel (das Lesen), eine verschmolzene Präposition (beim Schwimmen, zum Essen), ein Pronomen (mein Kommen) oder ein Mengenwort (viel Reden). Steht kein Signalwort davor, bleibt das Verb klein: Ich lese gern.

Die Regel

Verben schreibt man klein — bis sie aufhören, Verben zu sein. Genau das passiert bei der Substantivierung: Das Verb übernimmt die Rolle eines Nomens im Satz, und dann bekommt es auch dessen Großschreibung.

Der Trick ist nicht das Wort, sondern was davor steht. Substantivierte Verben tragen fast immer ein Signalwort vor sich her:

  • Artikel: das Lesen, ein Lächeln, die Ankunft
  • Verschmolzene Präposition (Präposition + Artikel): beim Schwimmen (= bei dem), zum Essen (= zu dem), am Anfang, im Gehen
  • Pronomen: mein Kommen, sein Zögern, dieses Warten
  • Mengenwort: viel Reden, alles Warten, nichts Neues

Die Gegenprobe: Kannst du einen Artikel davorsetzen, ohne dass der Satz kaputtgeht? Dann ist es ein Nomen. „Beim Schwimmen" wird zu „bei dem Schwimmen" — passt, also groß. „Ich schwimme gern" wird nicht zu „Ich das schwimme gern" — passt nicht, also klein.

Der Fall, der am meisten Punkte kostet, ist das verschmolzene „beim", „zum", „am", „im". Da versteckt sich der Artikel im Wort, und genau deshalb übersieht man ihn: „beim Schwimmen", „zum Mitnehmen", „am Ende".

Übrigens: Das Verb bleibt dabei in der Grundform. Man schreibt „das Lesen", nicht „das Lesung" — die Substantivierung erfindet kein neues Wort, sie stellt das vorhandene nur in eine neue Rolle.

Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, Bereich D — Groß- und Kleinschreibung. Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung

Beispiele: richtig und falsch

FalschRichtigWarum
Wir gehen heute schwimmen. / Beim schwimmen war es kalt. Wir gehen heute schwimmen. / Beim Schwimmen war es kalt. Erst Verb (klein), dann mit „beim" substantiviert (groß).
Das lesen fällt ihm leicht. Das Lesen fällt ihm leicht. Artikel „das" davor — also Nomen.
Sie hat nichts neues erzählt. Sie hat nichts Neues erzählt. Mengenwort „nichts" als Signalwort.
Zum Mitnehmen bitte hier bestellen. / Ich möchte das Buch Mitnehmen. Zum Mitnehmen bitte hier bestellen. / Ich möchte das Buch mitnehmen. „zum" substantiviert; als Verb bleibt es klein.
Sein Zögern war deutlich zu Spüren. Sein Zögern war deutlich zu spüren. „Sein Zögern" ist Nomen — „zu spüren" bleibt Verb.

Typische Fehler

  • „das lesen" — der Artikel steht direkt davor und wird trotzdem überlesen. Sobald ein Artikel da ist, ist aus dem Verb ein Nomen geworden.
  • „beim schwimmen" — tückischer, weil der Artikel in „beim" versteckt ist (bei dem). Genau deshalb ist es der häufigste Fall von allen.
  • Überkorrigiert: Wer die Regel frisch kennt, schreibt plötzlich jedes Verb groß — „Ich möchte das Buch Mitnehmen". Ohne Signalwort bleibt es klein.
  • Signalwörter wie „etwas", „nichts", „viel", „alles" werden nicht als solche erkannt: „nichts neues" statt „nichts Neues".
  • Die Artikelprobe wird nicht gemacht. Sie dauert eine Sekunde: Passt ein Artikel davor, ist es ein Nomen.
  • Feste Wendungen verwirren: „im Großen und Ganzen", „im Allgemeinen" sind substantiviert und werden großgeschrieben, obwohl sie sich wie Floskeln anfühlen.
Merksatz

Schau nicht auf das Verb, schau davor. Steht dort ein Artikel, ein beim/zum/am oder ein Mengenwort, ist aus dem Verb ein Nomen geworden — und Nomen schreibt man groß.

Selbsttest: 5 Sätze

Entscheide selbst, dann klapp die Lösung auf. Wenn du hier ins Stocken kommst, weißt du, woran du arbeiten solltest.

  1. ___ Schwimmen war das Wasser eiskalt.

    Lösung
    Beim — „Beim" enthält den Artikel (bei dem) — also Nomen, groß geschrieben.
  2. Wir gehen heute ___.

    Lösung
    schwimmen — Kein Signalwort davor — es bleibt ein Verb und wird kleingeschrieben.
  3. Das ___ fällt ihm leicht.

    Lösung
    Lesen — Artikel „das" davor — das Verb ist zum Nomen geworden.
  4. Sie hat nichts ___ erzählt.

    Lösung
    Neues — „nichts" ist ein Signalwort — die Substantivierung wird großgeschrieben.
  5. Ich möchte das Buch ___.

    Lösung
    mitnehmen — Hier ist „das" der Artikel zu „Buch", nicht zum Verb — also klein.

Ab welcher Klasse?

Klasse 7–9

Substantivierte Verben stehen ab Klasse 7 auf dem Plan und bleiben bis Klasse 9 fester Prüfungsstoff — in der Oberstufe werden sie vorausgesetzt. Sie gehören zu den häufigsten Anstreichungen in Klassenarbeiten, weil sie in fast jedem längeren Text vorkommen.

Häufige Fragen

Wann schreibt man ein Verb groß?
Sobald es die Rolle eines Nomens übernimmt. Das erkennst du am Signalwort davor: ein Artikel (das Lesen), ein verschmolzenes beim, zum, am, im (beim Schwimmen), ein Pronomen (mein Kommen) oder ein Mengenwort (viel Reden).
Heißt es beim schwimmen oder beim Schwimmen?
Beim Schwimmen, groß. In „beim" steckt der Artikel: bei dem Schwimmen. Damit ist das Verb substantiviert. Dasselbe gilt für zum Essen, am Anfang und im Gehen.
Woran erkenne ich eine Substantivierung sicher?
Mit der Artikelprobe: Setz probeweise einen Artikel davor. Passt er, ist es ein Nomen und wird großgeschrieben. „Bei dem Schwimmen" passt, also groß. „Ich das schwimme" passt nicht, also klein.
Mein Kind schreibt beim schwimmen immer klein — was hilft?
Die Regel ist meist bekannt, aber das Signalwort verschwindet beim schnellen Schreiben aus dem Blick — besonders bei beim und zum, wo der Artikel im Wort versteckt ist. Was hilft, ist Wiederholung an den eigenen Sätzen statt an fremden Übungslisten: genau die Stellen, die in der letzten Klassenarbeit angestrichen wurden. Genau dafür ist Schreibfit gebaut.

Du kennst die Regel — und machst den Fehler trotzdem?

Du weißt, dass ein Artikel das Verb groß macht. Aber „beim" fühlt sich beim Schreiben nicht wie ein Artikel an — und schon steht es wieder klein da.

Das ist kein Wissensproblem, sondern ein Automatisierungsproblem — und genau da setzt Schreibfit an: Du fotografierst deine korrigierte Klassenarbeit, die App liest die angestrichenen Stellen und übt mit dir genau deine echten Fehler, bis sie sitzen. Nicht irgendwelche.

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