Groß- und Kleinschreibung

Satzanfang groß — und nach Doppelpunkt?

Kurz geantwortet

Das erste Wort eines Satzes wird immer großgeschrieben, egal welche Wortart es ist. Nach einem Doppelpunkt gilt: Folgt ein vollständiger Satz, geht es groß weiter — folgt nur ein Satzstück oder eine Aufzählung, klein. Nach wörtlicher Rede wird der Begleitsatz kleingeschrieben, auch wenn ein Ausrufezeichen davorsteht: „Komm her!", rief sie.

Die Regel

Die Grundregel ist die einfachste der deutschen Rechtschreibung: Das erste Wort eines Satzes wird großgeschrieben — egal ob Nomen, Verb, Artikel oder Pronomen. Heute regnet es. Wir gehen trotzdem raus. Nach Punkt, Fragezeichen und Ausrufezeichen beginnt ein neuer Satz, also wieder groß.

Der eigentliche Streitfall ist der Doppelpunkt. Hier entscheidet, was danach kommt:

  • Vollständiger Satz → groß: Eines ist klar: Wir geben nicht auf. Der Teil nach dem Doppelpunkt könnte allein stehen.
  • Satzstück oder Aufzählung → klein: Du brauchst drei Dinge: einen Stift, Papier und Ruhe. Hier folgt kein eigener Satz — es geht klein weiter (außer natürlich bei Nomen).
  • Wörtliche Rede → groß: Sie fragte: „Kommst du mit?" Die wörtliche Rede beginnt immer wie ein eigener Satz.

Die zweite Falle ist die wörtliche Rede selbst: Wenn der Satz nach den Anführungszeichen weitergeht, wird der Begleitsatz kleingeschrieben — obwohl ein Ausrufe- oder Fragezeichen davorsteht: „Komm her!", rief sie. „Wann denn?", fragte er. Das Satzzeichen gehört zur Rede, der Satz drumherum läuft einfach weiter.

Klein geht es außerdem weiter nach Komma, Semikolon und Gedankenstrich — sie beenden den Satz nicht: Es wurde spät; keiner wollte gehen. Wer sich merkt, welche Zeichen einen Satz wirklich beenden (Punkt, Fragezeichen, Ausrufezeichen), hat die Regel komplett.

Amtliches Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, Bereich D — Groß- und Kleinschreibung. Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung

Beispiele: richtig und falsch

FalschRichtigWarum
Eines ist sicher: wir sehen uns wieder. Eines ist sicher: Wir sehen uns wieder. Nach dem Doppelpunkt folgt ein vollständiger Satz — also groß.
Sie packte alles ein: Die Bücher, die Hefte, den Stift. Sie packte alles ein: die Bücher, die Hefte, den Stift. Nach dem Doppelpunkt folgt nur eine Aufzählung — der Artikel bleibt klein.
„Warte auf mich!", Rief er. „Warte auf mich!", rief er. Der Begleitsatz nach wörtlicher Rede wird kleingeschrieben — trotz Ausrufezeichen.
heute war ein guter Tag. Heute war ein guter Tag. Das erste Wort des Satzes ist groß — auch wenn es kein Nomen ist.
Es wurde dunkel; Alle gingen nach Hause. Es wurde dunkel; alle gingen nach Hause. Das Semikolon beendet den Satz nicht — es geht klein weiter.

Typische Fehler

  • Der Klassiker ist keine Wissenslücke, sondern Tempo: Beim schnellen Schreiben rutscht nach dem Punkt ein kleines Wort durch — besonders bei unscheinbaren Satzanfängen wie „dann", „und", „es". Die Regel kennt jeder; im Schreibfluss verschwindet sie zuerst.
  • Nach dem Doppelpunkt wird pauschal großgeschrieben — auch vor Aufzählungen und Satzstücken. Die Probe: Könnte der Teil nach dem Doppelpunkt als eigener Satz allein stehen? Nur dann groß.
  • Nach wörtlicher Rede wird der Begleitsatz großgeschrieben, weil davor ein Ausrufe- oder Fragezeichen steht: „Halt!", Rief er. Das Zeichen gehört aber zur Rede — der Satz läuft klein weiter: rief er.
  • In Überschriften und Nachrichten wird das Muster „alles klein" aus Chats übernommen — und dann auch im Aufsatz nach dem Punkt klein weitergeschrieben. Im Fließtext gilt die Satzanfangsregel ohne Ausnahme.
Merksatz

Punkt, Fragezeichen, Ausrufezeichen beenden den Satz — danach groß. Komma, Semikolon und Gedankenstrich nicht — danach klein. Und beim Doppelpunkt frag: Könnte das Folgende allein stehen? Dann groß.

Selbsttest: 5 Sätze

Entscheide selbst, dann klapp die Lösung auf. Wenn du hier ins Stocken kommst, weißt du, woran du arbeiten solltest.

  1. Eines steht fest: ___ Ferien waren zu kurz. (die/Die)

    Lösung
    Die — Nach dem Doppelpunkt folgt ein vollständiger Satz — großgeschrieben.
  2. Er kaufte alles: ___ Brot, Milch und Eier. (das/Das)

    Lösung
    das — Nur eine Aufzählung, kein eigener Satz — es geht klein weiter.
  3. „Beeil dich!", ___ seine Mutter. (rief/Rief)

    Lösung
    rief — Der Begleitsatz nach wörtlicher Rede bleibt klein — trotz Ausrufezeichen.
  4. ___ wollen wir ins Kino gehen. (morgen/Morgen)

    Lösung
    Morgen — Erstes Wort des Satzes — groß, obwohl es hier ein Zeitwort ist.
  5. Es schneite; ___ Straßen waren weiß. (die/Die)

    Lösung
    die — Das Semikolon beendet den Satz nicht — kleingeschrieben.

Ab welcher Klasse?

Klasse 5–6

Die Satzanfangsregel gehört zu den ersten Rechtschreibregeln überhaupt — Fehler dagegen gelten in Klasse 5 und 6 schnell als Flüchtigkeit und kosten trotzdem Punkte. Der Doppelpunkt-Fall kommt dazu, sobald Ankündigungen und wörtliche Rede in Aufsätzen auftauchen, und bleibt bis in die Oberstufe eine beliebte Korrekturstelle.

Häufige Fragen

Schreibt man nach einem Doppelpunkt groß oder klein?
Beides kommt vor — es hängt davon ab, was folgt. Ein vollständiger Satz wird großgeschrieben: Eines ist klar: Wir schaffen das. Ein Satzstück oder eine Aufzählung geht klein weiter: Du brauchst drei Dinge: einen Stift, Papier und Ruhe.
Warum schreibt man nach wörtlicher Rede klein weiter?
Weil der Satz nur unterbrochen war. Das Ausrufe- oder Fragezeichen gehört zur wörtlichen Rede, nicht zum Gesamtsatz — der läuft nach den Anführungszeichen einfach weiter: „Komm her!", rief sie. Erst der Punkt am Ende beendet den Satz.
Beginnt nach einem Semikolon ein neuer Satz?
Nein. Das Semikolon trennt stärker als ein Komma, beendet den Satz aber nicht — danach wird kleingeschrieben: Es wurde spät; keiner wollte gehen. Nur Punkt, Fragezeichen und Ausrufezeichen eröffnen einen neuen Satz.
Mein Kind kennt die Regel und macht den Fehler trotzdem — warum?
Weil der Fehler beim Schreiben passiert, nicht beim Wissen: Im Fluss des Aufsatzes rutscht nach dem Punkt ein kleines „dann" oder „und" durch. Dagegen hilft nur Training an den eigenen Fehlstellen — Schreibfit holt sie aus der fotografierten, korrigierten Klassenarbeit und übt genau dort, bis der Automatismus sitzt.

Du kennst die Regel — und machst den Fehler trotzdem?

Kaum ein Fehler ärgert mehr als der am Satzanfang — jeder sieht ihn sofort, und in der Klassenarbeit zählt er trotzdem jedes Mal. Gerade weil die Regel so einfach ist, fällt der Punktabzug doppelt schwer.

Das ist kein Wissensproblem, sondern ein Automatisierungsproblem — und genau da setzt Schreibfit an: Du fotografierst deine korrigierte Klassenarbeit, die App liest die angestrichenen Stellen und übt mit dir genau deine echten Fehler, bis sie sitzen. Nicht irgendwelche.

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